14.02.2014

Ach Matussek, du alte Pampfnase

Weil es immer wieder so schön ist und weil es Besucher bringt, deshalb pflegt man den inszenierten Skandal. Anders kann man den neuesten Erguss von Matthias Matussek wieder einmal nicht bezeichnen. Journalistisch ist er mit Sicherheit keine Leuchte, aber durchaus Mittelfeld. Man darf ihm also eine gewisse Intelligenz alleine seines Schreibstils wegen zurechnen, ohne dass man ihn jetzt deswegen beachten müsste. Aber irgendwie hat er es dann doch geschafft, mit seiner differenzierten Mittelmäßigkeit an die Spitze des deutschen Journalismus zu steigen. Wie das des Öfteren vorkommen soll.
Mitten in die ganzen Aufregungen um Sotschi, Hitzlsperger, Baden-Württemberg-Petition bekennt er nun: „Wahrscheinlich bin ich homophob und das ist gut so.“ Da hat nun jemand ganz tief in die Trickkiste der Entdifferenzierung gegriffen.

Nur zur Beachtung: wer homophob ist, ist es selten auf die gleiche Art und Weise wie andere Homophobe. Und wer sich die Mühe macht, mit solchen Menschen zu sprechen, wird häufig eben jene bunte Mischung aus Erfahrungen, Vorurteilen, nachgeplappertem "Wissen" und ähnlichem mehr finden, wie das bei Menschen normalerweise so üblich ist, nicht nur bei der Homophobie.
Und hier muss man natürlich eine doppelte Strategie gegenüber solchen Menschen fahren. Auf der einen Seite ist es wichtig, dass homosexuelle Menschen nicht als eine dumpfe, graue Masse gleicher Wesen wahrgenommen werden. Genau das passiert ja all den Menschen, die keine Homosexuellen kennen. Für die ist Homosexualität, bzw. sind die Menschen, die dieses leben, eine einzige Person.
Und auf der anderen Seite muss man dieser Homophobie auch zeigen, dass sie in sich, in ihren Positionen durchaus sehr unterschiedlich und eventuell auch sehr widersprüchlich ist. Das ist nämlich meine Erfahrung. Hier spielen Bequemlichkeiten, Ängste, nachgeplapperte Vorurteile und anderes mehr sehr unterschiedliche Rollen. Manchmal ist es dann tatsächlich auch unterdrückte Homosexualität.

Und genau darauf wird es bei Matussek dann auch hinauslaufen. Er wird einen halben Rückzieher machen, das ganze unter das Signum der Ironie und der Selbstdifferenzierung setzen und sagen: klar, aber ihr habt meinen Begriff nicht begriffen, also seid ihr trotzdem schuld. Das ist eine Strategie, mit der man viele Menschen übertölpeln kann und einen solchen Skandal übersteht, auch wenn er sich zunächst gegen einen neigt. Man wirft zunächst eine Blase in den Raum, bei dem man mit Widerspruch rechnen muss. Und je nachdem, wie sich dann die verfeindeten Positionen in der öffentlichen Meinung ausarbeiten, verstärkt man die eigene Position oder schwächt sie gegenüber dem übermächtigen Gegner ab. Rhetorisch geschickt, menschlich aber ziemlich widerlich.
Meine Meinung!

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