02.02.2018

Hylas und die nackte männliche Meinung

Meinungsfreiheit ist ja nicht nur deshalb ein so hohes Gut, damit jeder irgendwie eine haben darf, sondern auch, damit jede Meinung kritisiert werden kann. Kritisieren heißt, so sage ich das jetzt mal apodiktisch, die Relevanz und die Reichweite einer Meinung abzuschätzen.
Dazu hatte ich die letzten anderthalb Tage mal wieder ein recht besonderes Erlebnis. Darüber hätte ich nun viel schreiben können. Irgendwas zum Thema Kritik oder so. Stattdessen habe ich mich damit begnügt, die Diskussion etwas theorieloser nachzuzeichnen.

Vorauseilendes Geständnis

Man sollte nicht schreiben, wenn man eigentlich noch krank ist. Weiterhin liege ich fast den ganzen Tag im Bett, schlafe und kränkle, wenn auch nicht mehr so schlimm wie am Wochenanfang. Der größte Effekt werden wohl die Schmerzmittel sein, die ich, so die Ärztin, nur „provisorisch“ einnehme. Um dem Schmerzgedächtnis keine Phantomerinnerung zurückzulassen.
Längere Sachen am Stück zu lesen geht gerade gar nicht. Und so habe ich immer mal wieder Facebook aufgeklappt. Das ist auch nicht gerade heilsam. Zumindestens habe ich diese Woche aber einen Schnitt gemacht und drei offensichtlich faschistische Typen aus meiner Bekanntenliste verbannt. Damit habe ich zugleich die Hälfte an Falschnachrichten rausgeschmissen.
Gleich darauf habe ich noch einige Menschen entfernt, Männer, um genau zu sein, die es offensichtlich unglaublich witzig finden, jede Diskussion über den gender Gap mit ›Muss ich jetzt Kugelschreiberin sagen?‹ oder ›Dann möchte ich aber auch Blödfrau sagen dürfen!‹ ins Lächerliche zu ziehen. Ich weiß immer noch nicht, was ich vom gender Gap halten soll. Ich halte den Anspruch dahinter für richtig. Mein Problem ist auch nicht unbedingt die Methode, sondern ihre Reichweite. Aber das nur nebenbei.

Eine viktorianische Fantasie

Es gab auch noch einen anderen Thread, in dem ich mich kurz herum gestritten habe, um ihn dann schließlich doch abzubrechen. Manchmal muss man sich eingestehen, dass Ignoranz doch ein ganz gutes Mittel ist, vor allem, wenn man es mit Ignoranz zu tun hat.
Inhalt dieses Threads war eine Aktion der Manchester Art Gallery. Diese hatte ein Gemälde von John William Waterhouse zeitweilig abgehängt. Stattdessen gab es eine Pinnwand, an die die Besucher ihre Meinung heften konnten.

Hylas und die Nymphen

Waterhouse hat das Gemälde 1896 mit Öl auf Leinwand gemalt. Es bezieht sich auf die Herkules-Sage. Demnach sandte Herkules seinen jugendlichen Gefährten und – wenn ich mich richtig erinnere – Geliebten Hylas aus, Wasser zu suchen. An einer Quelle wurde er von Nymphen betört und ertränkt.
Das Bild selbst zeigt eine recht klassische Komposition und eine naturalistische Ausführung. Die sieben Nymphen sind so um den knienden Hylas angeordnet, dass sie zugleich ein Achsenkreuz des Bildes andeuten.
Es gilt, so Wikipedia, als eines der beliebtesten Bilder von Waterhouse. – Warum das so ist, habe ich nun nicht recherchiert. Ich kann die Ausführung wertschätzen. Begeistern kann mich diese Art von Kunst eher wenig. Sie hat für mich keinen aktuellen Bezug. Irgendwie ist sie eben „schön“, wohl auch handwerklich hervorragend gemacht, soweit ich das beurteilen kann.

Exit, perhaps not so british

Nun hat die Kuratorin der Galerie das Gemälde eben abhängen lassen. Zeitweilig. Und stattdessen eine Pinnwand aufgehängt. Zugleich erschien eine Internetseite mit dem Titel »Presenting the female body: Challenging a Victorian fantasy«. Dort ist zur Zeit auch noch folgende Frage prominent dargestellt: »How can we talk about the collection in ways which are relevant in the 21st century?«
Abgesehen davon, dass man hier eigentlich schon zwei sehr unterschiedliche Fragestellungen sehen kann, die nur am Rande miteinander interagieren, ist die Reaktion auf dieses Abhängen doch sehr bezeichnend. So hat Spiegel online in keinem Wort erwähnt, dass es sich nur um eine zeitweilige Aktion handelt; dies wird nur implizit angedeutet, indem das Abhängen als „Teil einer eigenständigen Kunstperformance“ bezeichnet wird.

Zensur und Argumentation

Logik und Ethik

Über die ganzen Blüten, die diese Diskussion treibt, möchte ich gar nicht weiter berichten. Ich hatte hier selbst ein recht unappetitliches Erlebnis. Dieses werde ich mit weiteren Kommentaren versehen, die sich nicht zum Thema der Zensur äußern – dieses ist auch gar nicht dem Sachverhalt angemessen –, sondern zu der Art und Weise, wie eine solche Aktion diskutiert wird, aber nicht diskutiert werden sollte.
Laut Kant ist die Logik die Lehre davon, wie wir denken sollen. Damit ist sie ein Teil der Ethik. Sie hat einen normativen Anspruch. Nun muss man nicht unbedingt Kant in allen Einzelheiten seiner Logik folgen. Was seine Analytik angeht, den ersten Teil seiner Logik, ist er tatsächlich auch altbacken. Ob die Logik dagegen generell normativ sein sollte, ist ein weitaus schwieriger zu diskutierendes Problem. Genau dies möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht weiter verfolgen. Ich gehe einfach davon aus, dass es in Diskussionen ein gewisses Maß an Normen geben muss, damit diese nicht in ein vollkommenes Missverständnis ausarten.

Ein dystopische Horizont

Zugegeben ist der Artikel, auf den sich die folgende Facebook-Diskussion bezieht, selbst schon tendenziös. Die Kuratorin der Manchester Art Gallery hat das Bild nicht für immer verbannt, sondern lediglich eine Woche lang abgehängt. Der Spiegel-Artikel stellt diese wichtige Rahmenbedingung allerdings nicht deutlich dar und schon gar nicht an den Anfang des Artikels. Das allerdings ist ja nicht das Problem der Kuratorin. Und die Frage stellt sich, inwiefern hier der Spiegel-Journalist bewusst falsch informieren wollte.
Nun, mit ein wenig mehr Blick ins Internet bekommt man auch so eine umfassendere Darstellung.
Gepostet wurde der Artikel von Wolfgang Sofsky allerdings mit folgendem Kommentar:
Alle Nacktbilder aus den Museen verbannen!!! Venus von M., Botticelli, Rubens, Rodin, Klimt, Schiele etc., alles raus!!!
Mit einer solchen Aussage ist vor allem ein Tatbestand erfüllt: die komplette Übertreibung. Statt sich mit der Darstellung von Frauen in der Kunst auseinanderzusetzen, bzw. was eine solche Darstellung heute noch anderes sein kann als irgendwie antiquiert, wird sofort Zensur geschrien, ein dystopischer Horizont aufgemacht und damit eine sinnvolle Fragestellung schlichtweg überpinselt.
Nun halte ich die Fragestellung, was man mit einer solchen Kunst heute noch anfangen kann (außer sie irgendwie schön zu finden) für durchaus sinnvoll. Das war sie auch schon vor zwanzig Jahren. Eine solche Frage zu stellen ist noch keine Zensur. Sie lächerlich zu machen, sie zu ignorieren, sie gar in eine ganz andere Fragestellung oder einen ganz anderen Tatbestand umzuwandeln, das grenzt sehr viel mehr an Zensur.
Es ist auch genau von der Art, mit der an den gender Gap herangegangen wird: man macht sich darüber lustig, ohne im mindesten darauf einzugehen, ob der Anspruch dahinter gerechtfertigt ist oder nicht und ob es nicht andere Mittel gäbe. Damit wird aber nicht nur der gender Gap abgewiesen, sondern der Anspruch dahinter gleich mit. Und das ist das Ärgerliche und Undemokratische daran.

Deine Meinung, meine Meinung

Alle bekloppt

Ein gewisser Jörg Wittler äußerte sich zu dem Post von Sofsky dann folgendermaßen:
Jörg Wittler Die sind doch alle bekloppt. Einerseits sagen sie „Hurra, wir sind so frei noch nie und Tollerieren so viel wie noch nie.“ Andererseits fordern sie Strafen für alles mögliche und schaffen sich ihr eigenes Gefängnis.
Nun, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe das auf den Spiegel-Artikel bezogen. Und da selbst in diesem nicht von Strafen die Rede war, musste ich dazu etwas schreiben. Weiterhin hat mich an dieser Aussage gestört, dass sie mit einem ins Namenlose verweisenden „sie“ arbeitet. Und natürlich ist ein Wort wie „bekloppt“ auch ein Signal dafür, auf welchem Niveau ein Mensch sich mit seiner Diskussion zu bewegen meint.
Ich habe also geschrieben:
Frederik Weitz Lesen hilft!
Das ist nun nicht besonders freundlich. Aber ich kann mittlerweile all diese Menschen nicht mehr ertragen, die sich aus einem komplexen Sachverhalt genau den Punkt heraussuchen, wo die Formulierung einseitig wird, um darauf dann herumzuhacken. Einen komplexen Sachverhalt kann man aber nicht in einem Satzteil verpacken. Und jede Argumentation muss, wenn sie willkürlich zerschnitten wird, unverständlich, undifferenziert und unkultiviert erscheinen.

Anschlussfähigkeit

Nun hatte ich nicht besonders viel Glück mit meiner Aufforderung. Wittler schreibt:
Jörg Wittler Es war eine allgemeine Bemerkung und nicht auf diesen Artikel bezogen.
Da musste ich mich erst mal am Kopf kratzen. Denn als allgemeine Bemerkung ist diese so offen, dass man alles mögliche daran anschließen könnte, und damit eben vielleicht auch gar nichts. Was den Sinn von Kommunikation einfach mal hinterfragt. Ich habe also geantwortet:
Frederik Weitz Solche Bemerkungen sind derzeit wohl wenig hilfreich. Sie erzeugen zu viel Anschlussfähigkeit. Zu viel anschlussfähige Kommunikation ist zu wenig strukturierte Kommunikation.
Gut, das war vielleicht eine etwas zu indirekte Aufforderung, doch bitte beim Thema zu bleiben, sich auf das Thema zu beziehen, konstruktiv und begründet zu urteilen. Jedenfalls war es wohl zu viel für den guten Herrn Wittler. Er entgegnet:
Jörg Wittler Zu viel eigene Meinung, die andere nicht hören/lesen wollen, wie es scheint.

Die "eigene" Meinung

Den Sprung habe ich nun überhaupt nicht verstanden. Natürlich war mein erster Kommentar – „Lesen hilft!“ – nicht sonderlich höflich. Aber das war der Einstieg auch nicht. Mein zweiter Kommentar hat sich nun überhaupt nicht gegen die Meinung inhaltlich gewandt und das habe ich auch zu verstehen gegeben:
Frederik Weitz Reden Sie sich das nicht schön. Kritik heißt nicht Verdrängung. Ich habe auch nicht, zumindest in meinem letzten Beitrag nicht, Ihre Meinungsinhalte kritisiert, sondern die Präzision und dabei auf die Funktion und Dysfunktionen von breit anschlussfähige Kommunikation hingewiesen. Außerdem ist eine oberflächliche Meinung nur eine Allerweltsmeinung. Hat man schon oft genug. Die muss man nicht auch bei jedem Hupf ins Facebook setzen.
Meine Argumentation geht hier in zwei Richtungen: zum einen habe ich abgelehnt, dass ich hier eine Meinung ihres Inhaltes wegen nicht lesen will. Stattdessen habe ich die Funktion der Meinung thematisiert. Wie schon zuvor habe ich noch einmal deutlich gemacht, dass eine so wenig auf den Sachverhalt gemünzte Meinung derzeit (aber eigentlich, wie ich vermute, immer) dysfunktional ist. Sie führt in so viele verschiedene Richtungen, dass ein konstruktiver Anschluss daran schon formell nicht mehr möglich ist. Zumindest wird es aber zum Glücksspiel.
Meine andere Kritik zielt in eine ähnliche Richtung. Die eigene Meinung kann nicht durch Allerweltssätze ausgedrückt werden. Dann aber stellt sich die Frage, ob Wittler hier tatsächlich eine eigene Meinung hat. Oder ob er sich nicht einfach davor drückt, eine eigene Meinung zu haben. Dies erscheint mir weitaus sinniger, wenn man sich die ganze Diskussion in ihrem Verlauf betrachtet. Und es erscheint mir schon fast als symptomatisch für den eigentlichen Irrsinn, der im Moment in Bezug auf die Sexismus-Debatte abläuft: das hier nämlich umso mehr der Respekt vor der eigenen Meinung eingefordert wird, je weniger man eigentlich eine eigene Meinung dazu hat.

Das Woher und Wozu von Meinungen

Die Antwort war nun folgende:
Jörg Wittler Ich rede mir das nicht schön, ich habe nur eine andere Meinung als Sie. Aber scheinbar haben Sie ein Problem mit Meinungen, die nicht Ihrer entsprechen. In meinen Augen darf jeder seine Meinung haben. Ich mag aber keine Leute die alles versuchen um Menschen mit anderer Meinung anzufeinden, damit sie ihre Meinung ändern.
Dazu musste ich mich dann ausführlicher äußern. Im Hintergrund sollte man im Auge behalten, dass Meinungen nicht dazu da sind, um unhinterfragt in der Gegend herumzustehen. Meinungen führen zu Konflikten. Auch das ist ihre Aufgabe. Wenn man Meinungen nicht mehr widerspricht, landet man entweder bei einem beziehungslosen Individualismus oder doch irgendwann wieder politisch vorgegebenen Doktrinen.
Frederik Weitz Sie haben, noch einmal, den Artikel nicht gelesen. Sie behaupten etwas, was der Artikel nicht hergibt. Daraus bilden Sie sich Ihre Meinung. Das kritisiere ich. Eine solche Meinung akzeptiere ich auch nicht. Wenn Sie damit ein Problem haben, juckt mich das auch wenig. Mindestbedingung einer akzeptablen Meinung ist ein nachprüfbarer Kern, eine Tatsache. Und selbst den besitzt Ihre Meinung nicht.
Ihr Problem ist: Sie greifen mit dem „sie“ (die sind doch alle bekloppt) eine nicht auszumachende Masse an Menschen an, können aber einer direkten Konfrontation nicht standhalten. Zumindest hier nicht.
Argumentieren Sie bitte auf dem Boden von Tatsachen. Respektieren Sie auch Ihre politischen Gegner, indem Sie zumindest den gesamten Artikel beachten (es sind ja nur ein paar Zeilen mehr). Dann bekommen Sie von mir auch nicht einen solchen Gegenwind. Ich fordere eigentlich nur Selbstverständlichkeiten ein.

Destruktive Beliebigkeit

Der Schwenk, den die Argumentation nun genommen hat, ist genau das Problem, was wir derzeit haben. Jemand wird kritisiert, verallgemeinert diese Kritik auf die Gesamtheit des eigenen Lebens, und meint dann sich wehren zu müssen.
Aber es ist doch klar, und das habe ich auch unmissverständlich deutlich gemacht, dass der Ausgangspunkt eine Art Vorwurf ist, die für alles und nichts einen Spielraum lässt, für die krudesten Verschwörungstheorien (wir werden alle verschwult) bis hin zur achselzuckenden Kenntnisnahme als irrelevant.

Adressabilitätskollaps

Ein weiteres Problem ist natürlich, dass die Ausgangsaussage sich nicht auf eine Tatsache beruft, und insofern ich diese mit einer Tatsache (dem erschienenen Artikel) verbunden habe, dies dann auch noch leugnet (eine allgemeine Bemerkung, sagt Wittler). Kann man machen. Aber die Frage ist, wozu? Und genau das, was ich zu Beginn kritisiert habe, tritt an dieser Stelle in der Diskussion nun ein. Die Anschlussfähigkeit der Aussage ist zu beliebig, und damit rückt der Adressat in einer Allgemeinheit in den Mittelpunkt, die eigentlich nur noch zu einem Diskussionsabbruch führen kann. Die Systemtheorie spricht hier von einem Adressabilitätskollaps.

Der harte Fels der Tatsache

Wie verhindert man das? Indem man sich auf Tatsachen beruft. Tatsachen sind im Kern immer sinnlich und materiell (und vereinzelt). Sie müssen ihren Halt in der Wirklichkeit nachprüfbar in sich tragen. Und dabei muss immer noch beachtet werden, was denn genau als Wirklichkeit ausgewiesen wird. Wenn zum Beispiel jemand im Internet schreibt „Werwölfe übernehmen die französische Regierung“, dann ist damit noch nicht die Existenz von Werwölfen belegt, wohl aber die Existenz dieses Satzes. Mehr nicht, aber eben auch nicht weniger. Selbst über das Abhängen des Bildes kann ich eigentlich keine Aussage machen, da ich nicht gesehen habe, wie das Bild abgehängt wurde und dann nicht dort gehangen hat. Ich muss hier etwas als Tatsache nehmen und dem Berichtenden ein entsprechendes Vertrauen entgegenbringen, dass sie/er ihrer/seiner Sinne mächtig ist und keine hintergründigen Gedanken der Täuschung hat.

Unappetitlicher Abschluss

Wie auch immer konnte mein weiterer Einwand Herrn Wittler nicht überzeugen und zu einer anderen Strategie umstimmen.
Jörg Wittler Sie können einfach nicht mit anderen Meinungen zurecht kommen. Das ist Ihr Problem, nicht meines. Und wenn ich den Artikel noch ein weiteres Male lese wird sich meine Meinung nicht ändern.
Frederik Weitz Gut, dann behaupten Sie eben weiter, dass alle anderen bekloppt sind. Ist ja auch ne tolle Art, mit anderen Meinungen umzugehen. Mimimi.
Jörg Wittler Weinen Sie nicht, suchen sie sich lieber Leute die Ihrer Meinung sind, dann brauchen Sie sich nicht so aufzuregen.
Frederik Weitz Jetzt werden Sie entschieden unappetitlich.
Fazit der Geschichte ist also, dass die akzeptable Meinung nur die Meinung des Gleichdenkenden ist, für diesen guten Herrn. Alle anderen darf man mal summa summarum verunglimpfen. Der Kern der Meinungsfreiheit, nämlich alle Meinungen in einer Diskussion zu Gehör zu bringen, um daraufhin in einer allseitigen Kritik ihre Reichweiten und Relevanzen abzuschätzen, wird dagegen auf's Gröblichste missachtet. Das ist dann aber keine Meinungsfreiheit mehr, sondern nur noch Rechthaberei.
Muss ich dazu sagen, dass auch viele andere, mehrheitlich männliche Stimmen ein solch hahnebüchenes An-der-Sache-vorbeischwätzen sind? Ich werde wohl für meine Gesinnung sicherlich keine feministischen Preise einheimsen. Mein Interesse liegt eher bei den formalen Mitteln der Argumentation; inhaltlich sind es sowieso ganz andere Sachen, die mich momentan interessieren: etwas unzeitgemäß die Geometriedidaktik. Aber es gibt doch ernsthafte Anforderungen an eine sachliche Diskussion. Dass diese so mit Füßen getreten werden, entsetzt mich, entsetzt mich weit über ihre Bedeutung für die Gleichberechtigung hinaus in dem, was damit unserer Kultur an Wissenschaftlichkeit und Realität verloren geht.
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