08.04.2018

Gewisse Vollständigkeiten

Man kann zum Beispiel die ganze Logik auf ihre Anwendung in den verschiedenen ethischen Bereichen des Lebens hin aufteilen: das herstellende, das politische und das theoretische Leben.
Die herstellende Lebensweise nutzt die Logik, um Abläufe in der Umwelt vollständig zu erfassen und dazu gehören so verschiedene Dinge wie die Auswirkung der Meeresverschmutzung auf den Fischbestand, die Verbesserung eines mechanischen Gerätes oder das Erstellen einer Internetseite. In dieser Lebensweise erscheint der Mensch als Mensch in der Gemeinschaft gleichsam weg abstrahiert und taucht nur noch am Rande, in Form eines Warennutzens, auf.
Ist die herstellende Lebensweise tatsächlich auf ein eher formales Funktionieren der Logik geeicht, so ist die politische Lebensweise eine, die andere Gebiete der Logik hervorhebt, nämlich zum Beispiel die Vollständigkeit der Argumente und die politische Tragweite von Schlussfolgerungen (wobei politisch in diesem Fall im weitesten Sinne verstanden werden soll, nicht im Sinne einer Berufspolitik).
Schließlich betont die theoretische Lebensweise die gute Begriffsbildung und die gute Nachbarschaft der Begriffe. Und insofern hat Hannah Arendt recht, wenn sie die politische Lebensweise entgegen der antiken Meinung aus ihrer untergeordneten Stellung gegenüber der theoretischen Lebensweise heraushebt. Das gute Leben, zu dem Freundschaft, Familie und eben die „politische“ Gemeinschaft gehören, kann nicht durch Rückzug und Kontemplation erreicht werden, sondern nur durch Teilhabe. Dass diese Teilhabe durch eine Ordnung des Denkens gefördert wird, also natürlich auch durch die Möglichkeit, die theoretische Lebensweise, die Vita contemplativa auszuführen, wird damit ja nicht bestritten.
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